Blume Waldviertel

News: Kräuter-Wissen

Lesen Sie mehr über Beigras, Sauerklee, Lungenkraut, Leberblümchen, Johanniskraut und Co.

Brombeeren pflücken mit Eunike Grahofer

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Kräuterbrief September 2017

„Brombeere – wie die bäuerliche Beobachtung des Verhaltens ihrer Kuh der Gräfin ihr Leid linderte….“

Die Brombeere („Rubus sectio Rubus“) gehört zu den Rosengewächsen. In Europa finden wir über 2000 verschiedene!!! Brombeer-Arten. „Bramberi“, die einstige althochdeutsche Benennung der Brombeere, bedeutet so viel wie „Beere des Dornstrauches“.

Von ihren durchsetzungskräftigen Stacheln können wir beim Ernten der Beeren ein Lied singen. Doch eben dazu entwickelt die Pflanze ihre Stacheln, als Fraßschutz, um ihre wertvollen Beeren – eigentlich sind es botanisch richtigerweise ja keine Beeren sondern Sammelsteinfrüchte –  vor dem geerntet/gegessen werden zu schützen und nebenbei auch noch als Rankhilfe.

Kräuterpfarrer Künzle hat uns eine schöne Geschichte zur Brombeere hinterlassen. Eine zierliche Gräfin soll sich einst samt Dienerschaft zur Sommerfrische im Appenzellerland aufgehalten haben. Irgendetwas dürfte ihr nicht so ganz bekommen sein, seit über eine Woche wurde sie von heftigen Durchfällen geplagt.  Was man ihr auch verabreichte, es wollte keinerlei Mittel helfen. Die zierliche Frau wurde schwächer und schwächer. In ihrer Verzweiflung schickte sie die Zofe zu einer Bäuerin ob sie nicht ein Hausmittel wüsste.

Jene naturverbundene Bäuerin antwortete, sie würde zu einem Tee aus Brombeerblättern raten, diese würden mit Verlaub, auch die Kühe fressen, wenn sie Durchfall hätten. Und wirklich, der Brombeertee linderte die Beschwerden der Gräfin und sie erholte sich wieder. In ihrem Tagebuch hinterließ sie den Vermerk „Brombeerblätter wirken ausgezeichnet bei Kühen und Gräfinnen“.

Diese Wirkung verdanken die Blätter ihrem hohen Gehalt an Gerbstoffen, welche zusammenziehend wirken. Brombeerblätter in Weißwein gekocht soll bei offenen Stellen im Mundbereich oder in den Geschlechtsteilen Linderung verschaffen. Weiters wurde Brombeerblättertee in der Volksanwendung bei Hautunreinheiten zur Blutreinigung, bei Husten, Erkältungen, bei Menstruationsbeschwerden (zur Entspannung der Muskel im Unterleib daher Vorsicht in der Schwangerschaft) sowie bei Zuckerkrankheit getrunken.

Die Beeren, oder richtigerweise Sammelsteinfrüchte haben zugleich Fruchtzucker sowie Fruchtsäuren in sich, was einen süß/säuerlichen Geschmack ergibt. Weiters enthalten die Früchte Vitamin A, B-Komplex und C., Kalium, Calcium, Magnesium, Zink, Eisen, Carotinoide, Anthocyane – sie sind also wahre Immunstärkende Gesundheitsbomben für unseren Körper, wenn wir sie nur essen!!!

Rezepte

Brombeerblätterwein: 1/2 l Weißwein, 1 Hand voll Brombeerblätter, 1 EL Honig

Den Wein mit den Brombeerblätter am Herd aufkochen lassen, den Honig zugeben und bei mittlerer Hitze köcheln lassen bis sich der Honig zur Gänze aufgelöst hat.

Likör: Ein Liter-Glas zur Hälfte mir Brombeerfrüchte füllen, 100g Zucker, 1 Zimtstange, 1 EL Orangenschalen getrocknet hineingeben, mit Wodka aufgießen und am Fensterbrett sonnig, stehen lassen bis die dunkelrote Farbe der Früchte in den Alkohol übergegangen ist – dauert ca 3 Wochen, dann abseihen und genießen.

Tee: 1 EL Brombeerblätter mit ½ Liter heißem Wasser übergießen, 10  Minuten ziehen lassen und trinken, bei Hautunreinheiten, Zuckerkrankheit, Menstruationsbeschwerden, Durchfall, husten, Erkältungen

Tinktur: 1 Hand voll Brombeerblätter in ein Glas geben und mit ½ Liter Alkohol übergießen, im Herbst 1 Hand voll Beeren hinzugeben weitere 4 Wochen stehen lassen, dann abseihen und dunkel stellen. Bei Erkältungen, Husten, Menstruationsbeschwerden, Unruhe, Schlafproblemen, Gedankenstarre 10 Tropfen in ¼ l warmes Wasser geben und trinken, je nach Bedarf wiederholen. Bei Verspannungen damit einmassieren.

Kolumne Weißdorn
Waldviertel Pflanzenwelt

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Die Waldviertlerin 1. September 2017

Der unterschätzte „Alleskönner“: Weißdorn – Crataegus

Aus einer Zeit wo noch der Eber selbst die Schweine beglücken durfte, haben wir folgende Überlieferung:  Ehe es wieder so weit war, dass einige Schweine hintereinander zu jenem Bauernhof gebracht wurden, wo dieser sogenannte Deck-Eber lebte, wurde dieser männliche Artgenosse ordentlich mit Weißdornblätter gefüttert, damit dieser dem Andrang der Weibchen auch konditionell stand hielt…

Vom Weißdorn fanden alle Pflanzenteile Verwendung. Aus den roten Früchten bereitete man Kompotte, Marmeladen, Mus zu. Da sie relativ geschmacksneutral sind, empfiehlt es sich, die Speisen mit Gewürzen wie Zimt zu verfeinern. Die Kerne wurden als Kaffeeersatz verwendet. Die Wurzeln wurden zerkleinert und bei eitrigen Wunden verwendet. Die Rinde wurde gekocht, und in dem Absud bei Hautproblemen gebadet. Aus den Blättern, Blüten, Früchten kann ein Tee zubereitet werden, oder die bekannte Weißdorntinktur.

Rezept Weißdorntinktur: Hierzu nimmt man eine Flasche und ¼ Liter hochprozentigen Alkohol. Im Herbst sammelt man 10 Weißdornfrüchte und gibt sie in die Flasche mit dem Alkohol. Im Winter nimmt man 10 Knospen und gibt diese ebenfalls hinzu. Im Frühling, sobald die ersten Blätter zu sehen sind, nimmt man einen Zeigefinger großen Ast mit Blättern und gibt ihn zu Gänze hinzu. Zum Schluss kommen noch 10 Blüten hinein, ehe die Tinktur weitere 4 Wochen rasten darf. Nun ist die ganze Kraft der Pflanze in dieser Tinktur. Von ihr nimmt man 10 Tropfen in der Früh in einem ¼ l Glas, gefüllt mit lauwarmen Wasser ein.

Der Weißdorn unterstützt unsere Nerven, wirkt ausgleichend auf den Blutdruck und den Kreislauf. Weißdorntinktur kann auch über einen längeren Zeitraum hinweg eingenommen werden, zumal es schon so 1 Monat dauert, ehe sich eine Wirkung zeigt.

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Mein Bezirk August 2017

Die Pflanze, vor der man den Hut zieht: Schwarze Holunder – sambucus nigra

In Niederösterreich haben wir einen besonderen Bezug zum Holunder, waren doch unsere Landesheiligen auch „Hollerheilige“. Die Frau des heiligen Leopold, verlor ihren Schleier, welcher sich in einem Holunder wiederfand. An jenem Ort lies Leopold das Kloster Klosterneuburg errichten. Wir finden Orts-/Stadtnamen mit Holunderbezug wie z.B. Hollerbrunn, Hollenburg oder Hollersberg. Wegen seiner zerflederten, zerschnittenen Fiederblätter wurde er früher „Flieder“ genannt. Erst durch die Pflanze, welche wir heute als Flieder kennen, änderte sich seine Benennung auf Holunder. Der alte Spruch „Vor dem Holler soll man den Hut ziehen“ deutet auf seine besondere Verehrung hin. Die Beeren galten, wie auch andere Wildfrüchte als „Tagelöhnerinnen“ oder „arme Leut Essen“.

Heute schätzen wir besonders die entzündungshemmenden Eigenschaften der Beeren, sowie ihre Vitamine A, B und C, Kalium, Niacin und die Schleimstoffe.

Eine Delikatesse ist der Hollerröster: Hierfür nehmen wir 2 Hände voll Holunderbeeren, 5 Stk Zwetschken, 1 Stk Zimtrinde, etwas Zucker. Die Holunderbeeren werden mit den ganzen Zwetschken und der Zimtrinde in einen Kochtopf gegeben, mit Wasser bedeckt am Herd einmal aufkochen lassen, danach auf mittlere Hitze zurückschalten. Die Holunderbeeren dürfen nicht roh gegessen werden, erst durch das Kochen werden sie für uns verträglich. Aus diesem Grund wurden beim Kochen von Holunderbeeren ein paar Zwetschken  beigegeben. Lösen sich die Zwetschken durch das Kochen vom Kern, hat sich das Fruchtfleisch zerkocht, ist die optimale Kochzeit der Beeren erreicht, galt der Hollerröster als fertig. Nun je nach Geschmack Zucker hinzufügen. Durch ein Sieb seihen und fertig ist die gesunde Spezialität.

Mein Bezirk Juli 2017

Die schmackhafte „Halmrübe“: Kugelige Herbstrübe – Brassica rapa subsp. Rapa subvar. esculenta

Im Juli nachdem der Schnitt war, das Getreide eingelagert war, wurde auf den soeben frei gewordenen Acker eine ganz besondere Rarität angebaut – die „Heimruam“/„Halmrübe“, welche auch noch Ackerrübe, Krautrübe, Stoppelrübe, weiße Rüber oder heute kugelige Herbstrübe genannt wird. Sie wächst sobald der „Heimwind“, der „Halmwind“ übers Land zieht, jene kühle Brise, die nach der Getreideernte die lauen Sommerabende ausklingen lässt. Geerntet wird die Herbstrübe zwischen Anfang Oktober und Anfang November. Sie soll geerntet werden ehe die erste Kälte und der erste Schnee einfällt.

Sie wirkt ein wenig wie ein mutiertes, faustgroßes Radieschen. Ihr Äußeres und ihren Geschmack könnte man mit einer Mischung aus Radieschen und Kohlrübe beschreiben. Ihre Schale hat eigentlich eine rosa/weiße Farbe, nur jene Teile, welche außerhalb der Erde wachsen und von der Sonne beschienen werden färben sich leicht violett. Aufgrund der langen Lagerfähigkeit bis ins Frühjahr galt sie lange als wichtiges Nahrungsmittel, geriet in späterer Folge durch den ertragreicheren Erdäpfelanbau in den Hintergrund und somit fast ins Vergessen. Sie wurde wie Sauerkraut gehachelt und eingelegt, als cremige Suppe gekocht oder als warmer Salat verspeist. Gerade dieser warme „Heimruamsalt“ ist eine ganz besondere Köstlichkeit!

Rezept warmer Herbstrübensalat: Die Herbstrübe schälen und fein-nudelig schneiden, ein wenig Essig mit Rindssuppe, Kümmel, Zucker, Salz und Pfeffer aufkochen. Die Herbstrübenstücke zugeben und kurz aufkochen lassen. Währenddessen Selchspeck kleinwürfelig schneiden und in der Pfanne anschwitzen lassen, nun einen kleingeschnittenen Zwiebel beigeben bis dieser goldgelb ist. Die Herbstrübe abseihen und Speck und Zwiebel unter den Herbstrübensalat mischen und warm servieren. Eine köstliche Rarität!

Pflanzen Brauchtum Natur

Waidhofner Stadtnachrichten Sommer 2017

Gundelrebe – schleimlösend, entgiftend

Die Gundelrebe hat besonders im Waldviertel eine  alte Tradition als Gewürzpflanze, die sowohl kalten als auch warmen Speisen beigegeben werden kann.  Sie wirkt schleimlösend, harnsäurelösend, Leber- und Gallenreinigend, und wurde seit je her zur Rekonvaleszenz nach langen Krankheiten eingesetzt.  Gundelrebe  kann das ganze Jahr über, auch in den Wintermonaten geerntet werden. Sie findet  als Tee zubereitet erfolgreiche Anwendung gegen Erkältungskrankheiten.

Rezept Frühlings-Reinigungsdrink: Eine Hand voll Gundelrebenblätter, einen Teelöffel Zitronensaft oder zwei Tropfen ätherisches Bio-Zitronenöl, ein Liter Wasser Die Pflanzen mit dem Zitronensaft in einen Krug geben, mit dem Wasser aufgießen und über Nacht stehen lassen. Am nächsten Tag kann das köstliche, entschlackende Gundelreben-Wasser getrunken werden.

Magen-Darmerkrankungen Enzündungshemmend Kräut

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Mein Bezirk Juni 2017

Die alte Allroundpflanze: Käsepappel   –  Malva

Menschen, insbesondere Kinder, die von schwächlicherer Natur, waren oder längere Krankheitsphasen hinter sich hatten wurde früher zur Körperstärkung, zum sogenannten „Aufpäppeln“ aus den kleineren Blättern der Käsepappel und möglichst vielen Käsepappelsamen ein stärkender Brei gekocht und verabreicht.

Rezept Käsepappeltee: Hierzu sammelt man eine Hand voll Käsepappelblätter und 1 EL Früchte der Käsepappel, wäscht die, gibt diese in einen Kochtopf, gießt eine klare Suppe darüber, bis alle Pflanzenteile damit bedeckt sind und kocht einmal kurz auf. Dann püriert man dies mit dem Pürier Stab zu einem feinen Brei, würzt je nach Belieben mit Salz, Pfeffer, etwas Majoran, 1 Blatt Liebstöckl und fertig ist die kräfteweckende Köstlichkeit!

Der Name Käsepappel bezieht sich auf ihre nussartig schmeckenden, schleimhaltigen Früchte, welche Käselaib-förmig aussehen. In nahrungsmittelknappen Zeiten wurden die Käsepappelfrüchte getrocknet und zu Mehl vermahlen, welches in der Küche, wie jedes andere Mehl Verwendung fand. Betrachtet man heute die kleine Größe dieser Früchte, muss dies ein sehr zeitintensives Unterfangen gewesen sein!

Verwendung: Doch vor allem fanden ihre Blätter Verwendung. Sie enthalten Vitamin C, Antioxidantien, entzündungshemmende Stoffe und vor allem der wertvolle Inhaltsstoff der Malvengewächse die Saponine – die Schleimstoffe. Bei verschleimten Husten, Erkältungen, Schleimhautreizungen im Mundraum und Magen/Darmbeschwerden wurde aus den Käsepappelblättern ein Tee zubereitet. Bei längeren Magen/Darmerkrankungen bereitete man den Tee aus den Früchten der Käsepappel zu. Bei Hautkrankheiten, Abszessen, Prellungen, Verstauchungen, Verbrennungen, Schwellungen zur Haarpflege wurde aus den ganzen Pflanzenteilen (mit Blüten, Blättern und Früchten) ein Tee zubereitet, darin ein Leinentuch eingetaucht und dieses auf die betroffenen Körperstellen gelegt, oder dem Badewasser zugegeben. Bei schlechtheilenden oder offenen Wunden, wurden diese mehrmals täglich mit lauwarmen oder kalten Käsepappeltee gewaschen.

Kolumne Weißdorn
Traditionelle Pflanze Calendula officinalis

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Die Waldviertlerin 1. Juni 2017

„Liebesorakel und Allroundhelferin“: Ringelblume – Calendula officinalis

Allein der Name der Ringelblume erzählt schon von ihrem besonderen Wert für uns Menschen!  „ Calendula officinalis“ –  „officine“ (Französischen),  „officina“ (lateinisch) bedeutet auf Deutsch „ in der Apotheke“. Diese Benennung erzählt uns, dass die Ringelblume neben der vielseitigen volksmedizinischen Tradition auch stets in der Apotheke verwendet wurde.

Vielfältige Anwendungen

  • Bei Einschlafstörungen oder Wechseljahrebeschwerden, Darmbeschwerden, Brechreiz oder wenn verdorbene Nahrung verspeise wurde, bereitete man einen Tee aus ihren Blüten, wobei eine Handinnenfläche voll Blüten mit einem Liter heißem Wasser übergossen und für 6 – 8 Minuten ziehen gelassen wurde.
  • Bei Hautproblemen, Flecken oder Unreinheiten verwendete man Ringelblumensalben.
  • Bei Krämpfen oder als Wundheilmittel wurde sowohl ein Tee als auch eine Salbe verwendet.
  • Zeigten sich an Obstbäume Krankheiten sah man die Ursache darin unter anderem auch in einem nicht intakten Bodenmilieu. Um dieses wieder zu „Harmonisieren“ wurden unter den betroffenen Bäumen sogleich Ringelblumen gepflanzt.
  • Junge Mädchen liebten die Blüten als Liebesorakel. Wenn sie sich der Liebe ihres Angebeteten nicht sicher waren, pflückten sie sich eine Blüten und sprachen, während sie das erste Blütenblatt herauszupften „er liebt mich“, während sie das nächste Blütenblatt herauszupften „er liebt mich nicht“, beim nächsten wieder „er liebt mich“… so viel ein Blütenblatt nach dem anderen zu Boden während das Letzte die „Wahrheit“ offenbaren sollte, war das nicht die gewünschte Wahrheit, dann wiederholte man es einfach bei der nächsten Blüte….

Beigras

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Kräuterbrief, Mai 2017

„Das Beigras, ist es auch noch so klein, das ist gegen Husten fein“

 

Das Beigras (die Quecke „Elymus repens“) findet man in unseren kultivierten Gärten. Genaugenommen liebt sie als Standort besonders unsere Gartenbeete. Oftmals zum Leidwesen der Gartenbesitzer. An manchen Höfen wurde das Beigras gegen Husten-Erkrankungen, bei Harnwegs-Problemen so hochgeschätzt, dass ihm sogar ein Extra-Platz eingeräumt wurde, damit es ja nicht ausgehen würde …

Die Quecke ist eigentlich ein Süßgras, welches auf allen Erdteilen verbreitet ist. Ihr Name kommt aus dem althochdeutschen und bedeutet „kräftig“ oder auch „lebendig“. Das Wort Quecke wird auch gleichgesetzt mit „queck, quick“ was „zählebig“ bedeutet. Eine vortreffliche Beschreibung dieser Pflanze. Sie kann auf nahezu allen Böden wachsen, ist so gesehen eine perfekte Pionierpflanze. Selbst auf kargen, trockenen Erdwällen gedeiht sie prächtig.

Robust und widerstandsfähig

Dominiert sie in unseren Gemüsegärten zu sehr, und wir reißen sie aus, erzielen wir damit eigentlich nur, dass sie sich umso schneller vermehrt. Diese einzigartige Pflanze geht nämlich auf Nummer sicher und hat eine Doppel-Strategie zu Vermehrung gewählt. Zum einen vermehrt sie sich über die Samenbildung, zum anderen über die Wurzeln. Wenn wir die Quecke nun ausreißen und es bleibt auch nur ein kleines Wurzelstück in der Erde, dann treibt das sofort wieder aus. Auf der Wurzel befinden sich jede Menge kleine Knoten, und an jedem dieser Knoten kann die Pflanze erneut austreiben.

Verwendung in der Volkskunde

Eine derart widerstandsfähige und leicht zugängliche Pflanze hat natürlich ihren festen Platz in der Volksheilkunde erhalten.

  • Bis zum beginnenden 19. Jahrhundert wurde mit der Quecken-Wurzel, aufgrund der süßen Geschmacks-Note Bier gebraut.
  • Wie die Wegwarten-Wurzel, wurde auch die Quecken-Wurzel als Kaffee-Ersatz verwendet.
  • In Not-Zeiten grub man im Frühling, ehe die Pflanze ihre grünen Ausläufer bildete, die Wurzeln aus, und stellte daraus ein Mehl her. Wenn man sich die zarten und kleinen Wurzeln ansieht, kann man nachfühlen, wie lange die Leute früher Wurzeln graben mussten um schlussendlich ein wenig Mehl daraus zu erhalten.
  • Die Quecke kann mit Wurzel und Ausläufer (Grün) als Salat gegessen, oder einem Salat beigegeben werden.
  • Mit Wurzel und Ausläufer (Grün) kann ebenso ein Sirup, ähnlich dem Holunderblütensirup gemacht werden. Die in der Wurzel befindlichen Polysaccharide verleihen ihr einen attraktiven süßen Geschmack, aufgrund dessen sie, in Zeiten wo es keinen Zucker gab, als beliebtes Nahrungsmittel gegessen wurde.

Inhaltsstoffe

Neben den Polysacchariden (Fructan, Tridicin) enthält die Quecke Schleimstoffe, was ihre hustenlindernde Verwendung erklärt. Sie enthält Kieselsäure für unser Haare und Nägel, bei Entzündungen der Harnwege sowie zur Vorbeugung von Nierengries, zur Blutreinigung und zur Behandlung von Frauenbeschwerden (Unterleib) verwendet. Was für ein einzigartiges Wunderwerk diese unscheinbare Wurzel doch ist!

Rezepte

Hustentrunk: 1/4 l Wasser, 1 EL Queckenwurzel

Die Queckenwurzeln klein schneiden, kurz in ganz wenig Butter anrösten, in ein Teesieb geben und mit heißem Wasser übergießen. Schluckweise trinken.

Salat: Die Quecken-Wurzeln klein schneiden und statt dem Zucker der Marinade beigeben.

Kaffee-Ersatz: Wurzeln klein schneiden, ohne Fett anrösten, mit heißem Wasser aufgießen und fertig ist der schmackhafte Kaffee-Ersatz.

Tee: 1 EL Queckenwurzel-Stücke mit heißem Wasser übergießen, 5 Minuten ziehen lassen und trinken.  Unterstützt gegen Nierengries, zur Blutreinigung, harntreibend, Mittel bei Entzündungen der Harnwege.

Tinktur: Queckenwurzeln in ein Glas geben und mit Alkohol übergießen, 4 Wochen stehen lassen, dann abseihen und dunkel stellen. Bei Husten, Blasen, Nierenproblemen 10 Tropfen in ¼ l warmes Wasser geben und trinken, je nach Bedarf wiederholen.

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Kuckucksklee

Kräuterbrief, April 2017

„Wenn der Ruf des Kuckucks im Frühling erhallt, dann holst den Sauerklee aus dem Wald“

 

„Kuckucksklee“ wird der Sauerklee im Volksmund auch noch genannt, was ebenso auf diesen alten, überlieferten Volksspruch hindeutet. Die Sammelzeit des Sauerklees erfolgt zeitig im Frühling, wenn der Ruf des Kuckucks zu hören ist. Das hat bei näherer Betrachtung auch einen interessanten Hintergrund.

Der Sauerklee wächst unter dem Schatten der Waldbäume, manchmal findet man ihn auf in Naturgärten. Er blüht weiß, rosa, rot oder gelb. Der botanische Name des Waldsauerklees heißt „Oxalis acetosella“. Ich finde Pflanzennahmen immer sehr interessant, weil sie einem schon sehr viel über eine Pflanze erzählen, noch ehe man näher recherchiert. Die Namensgeber hatten sich, so wie bei uns Menschen ja auch, einst bei der Namensgebung etwas gedacht, wollten mit dem Namen einen Hinweis geben, etwas Vermitteln, etwas Ausdrücken. So auch beim Waldsauerklee. Das Wort „Oxalis“ kommt aus dem Griechischen „Oxaleios“ und bedeutet „säuerlich“,bzw. „oxys“ was sauer bedeutet und „hals“ für Salz, das Wort „acetosella“ kommt aus dem Lateinischen „acetum“ was einen Essig, oder sauren Wein benennt. Wenn also eine Pflanze einst die Benennung „Saures Salz, Essig, saurer Wein“ erhalten hat, dann wissen wir, noch ehe wir ein Blatt davon Essen, welches Geschmackserlebnis uns beim ersten Bissen erwarten wird … 😉

Das Wort Oxalis deutet auch noch auf den Hauptinhaltsstoff des Sauerklees hin,  der Oxalsäure. Dieser Inhaltsstoff wiederum bietet den Schlüssel zu dem alten Volksspruch. Wir wissen von Rhababer und Sauerampfer, dass diese im kleinwüchsigen Pflanzenstadium, für uns in kleiner Speisemenge genossen köstlich schmecken, im Altersstadium sich die Dosis des Inhaltsstoffes Oxalsäure soweit erhöht, dass es uns nicht mehr so bekömmlich ist. Und ebenso verhält es sich bei Sauerklee. Als junge Pflanze, können wir ihn roh essen, in Salate geben, eine Tinktur machen, klein wenig davon ins Kräutersalz geben, mit seinem zunehmenden Pflanzenalter bekommt er  uns jedoch nicht mehr so gut. Der Ruf des Kuckucks im Frühling, ist zeitgleich mit den ganz jungen Sauerkleepflanzen, noch lange vor der Blüte. Er besagt, der Spruch erzählt und von der optimale Erntezeit der Pflanze für uns Menschen, jener Erntezeit wo die Pflanze für uns noch genießbar ist – es ist superspannend einfach aus der Natur, aus der Landschaft zu Lesen!

Im Schwarzwald wurde aus Sauerklee und Salz ein „Sal Acetosellae“ hergestellt, welches als Bleichmittel und Fleckensalz diente. Das Spezialsalz wurde sogar zum Vertilgen von Rost-, Blut- und Tintenflecken verwendet. Der Sauerklee im Salz war so hochdosiert, das es für den Verzehr des Menschen mehr als bedenklich gewesen wäre.

Sind wir in der Natur unterwegs, machen einen ausgedehnten Spaziergang, schmecken ein paar Sauerkleeblätter sehr gut, wirken erfrischend und Lindern das Durstgefühl. Weiters wurde er zur Fiebersenkung und als harntreibendes Mittel eingesetzt. Er wirkt Blutreinigend, hilft gegen  Frühjahrsmüdigkeit und enthält Vitamin C. Seine Blätter wurden auf Geschwüre, welche sich äußerlich befanden aufgelegt.

Erfrischungsdrink:

1 l Wasser, 1 EL Sauerkleeblätter

Die Sauerkleeblätter in einen Wasserkrug geben, mit dem Wasser übergießen und über Nacht stehen lassen. In der Früh die Blätter wieder herausnehmen und das angenehm säuerliche Wasser über den Tag verteilt trinken.

Salat:

Sauerkleeblätter können dem Salat zugegeben werden.

Brotbelag:

Sauerkleeblätter, Schnittlauch, Schafgarbenblätter mittelgrob schneiden und auf das Butterbrot legen. Schmeckt auch sehr gut zur österlichen Eierspeise.

Paste:

4 EL getrocknetes Kraute wurde früher mit Schmalz vermischt, heute nehmen wir Speiseöl. Die Blätter werden mit dem Mörser zerstoßen und mit einem guten Speiseöl vermischt bis eine cremige Paste entsteht. Diese wird bei Gewächsen auf der Haut oder Warzen äußerlich aufgetragen.

Tinktur:

Sauerklee in ein Glas geben und mit Alkohol übergießen, stehen lassen bis die grüne Farbe der Blätter entwichen ist, dann abseihen und dunkel stellen. Bei Koliken, Leber/Gallen, Darmproblemen, vor allen wenn es am Stuhlgang mangelte, wurde diese Tinktur äußerlich auf der Höhe des Organs aufgetragen und darüber ein Tuch gelegt. Zuerst tritt eine kühlende Wirkung ein, danach wird die Durchblutung angeregt was nach einigen Minuten in ein angenehmes Wärmegefühl mündet.

Tee gegen Hautausschläge – äußerlich:

1 EL Kraut auf 1/4 L Wasser, übergießen und 5 Minuten ziehen lassen, abseihen. Ein Tuch in den Sauerkleetee tauchen und dieses auf die betroffenen Hautstellen auflegen.

Vorsicht: Oxalsäure bindet Kalcium, daher sollten Menschen, die zu Nierensteine neigen, bei allen oxalhältigen Lebensmittel vorsichtig sein.

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Kolumne Weißdorn

Waldviertlerin Eunike Grahofer, März 2017

„Hänsl und Gretl“: Lungenkraut – Pulmonaria officinalis

Im Volksmund wird unser Lungenkraut „Hänsl und Gretl“ genannt, da es gleichzeitig rosa und blaue Blüten hat. Die rosa Blüte ist die junge, frische Blüte und die blaue Blüte ist die alternde Blüte. Wer Bienen oder Hummeln beobachtet, wird feststellen, dass diese vor allem die rosa Blüten aufsuchen. Wie der Name schon vermuten lässt wurde das Lungenkraut bei Atmenwegsproblemen, Husten, Erkältung eingesetzt. Hierzu wurde vor allem ein Tee aus dem Blättern und Blüten zubereitet. Eine Handinnenfläche voll Lungenkraut mit einem halben Liter heißem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen und warm trinken. Als Mengenangabe eine Handinnenfläche, hatte einen besonderen Hintergrund. Die Handfläche steht in Relation zur Körpergröße, somit hat jede Person automatisch die optimale Pflanzenmenge, die zu ihrer Körpergröße passt. Weiters kann aus dem Lungenkraut ein Hustensaft zubereitet werden. Eine Hand voll Blätter und Blüten werden mit dem Messer in kleine Stücke zerkleinert und in einem Glas mit Honig übergossen. Dies lässt man 3 – 4 Wochen ziehen und fertig ist der Hustansaft. Wer möchte kann diesen Abseihen. Aufgrund der Gerbstoffe und das Allantoins fand das Lungenkraut auch in der Wundversorgung Verwendung. Die Blätter wurden getrocknet, zerrieben und die blutstillenden und zellregenerierenden Eigenschaft als „Wundpuder“ verwendet. Der Lungenkrauttee wurde ebenfalls für Waschungen bei Wunden verwendet. Beim Ernten achten wir sorgsam darauf, dass genug Pflanzen stehen bleiben, die Samen bilden können. Damit die Population nicht gefährdet wird und wir auch im folgenden Jahr Lungenkraut ernten können!

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Kräuterbrief Eunike Grahofer, März 2017

„Beim Leberblümchen merk Dir fest, nimm`s nicht frisch sondern gepresst“

Mit solchen wertvollen Sprüchen gaben die „Alten“ ihr Wissen oftmals an die „Jungen“ weiter. Und dies gerne in Reimform, so blieben wichtige Informationen leichter im Gedächtnis. Erblickten die „Jungen“ später wieder diese Pflanze, erinnerten sie sich an die alte Volksweisheit ihrer Eltern und Großeltern. Das Leberblümchen enthält Anemonin, ein für uns Menschen unattraktiver, bedenklicher Inhaltsstoff, der Magen/Darm- und Nierenentzündungen verursachen kann. Trocknet man das Leberblümchen, dann verflüchtigt sich der Inhaltsstoff Namens Anemonin und das Leberblümchen kann zu Heilzwecken verwendet werden. Dies gilt übrigends für alle Pflanzenteile des Leberblümchens. Getrocknet kann er von uns Menschen nun bedenkenlos verwendet werden!

Tabernaemontanus wird folgende Aussage nachgesagt: „… diß Kraut stärket die Leber und kann sie zu öffnen, wann sie verstopfet ist, in Wein gesotten und davon getrunken.“

Wein: Hierzu nimmt man 2 El getrocknetes Leberblümchenkraut auf 1 Liter Wein, koch dies auf, lässt 5 Minuten am Herd zeihen und seiht es ab, um den Kräuterwein in Flaschen zu füllen. Täglich 3 (kleine 😉 )Schnapsgläser davon trinken. Dies dient zur Gallen-, Blasen- und Nierenreinigung.

Weiters kann aus dem getrockneten Kraut ein Tee oder eine Tinktur zur Entgiftung bereitet werden.

Tee: 1 Esslöffel getrocknetes Kraut wird mit 250 ml kaltem Wasser übergossen und über Nacht ziehen gelassen (bei heißem Wasser würde der Tee gewöhnungsbedürftig bitter schmecken)

Der Tee kann auch äußerlich zur Wundbehandlung, als Gurgelmittel gegen  Mundentzndungen/Mangelentzündungen, bei Hautausschlägen oder zur Verringerung von Sommersprossen verwendet werden.

Tinktur: 4 EL getrocknetes Kraute wird mit 1/2l Korn übergossen. 28 Tage  – einen Mondzyklus – rasten lassen, abseihen und ½ Stunde vor dem Essen 10 Tropfen mit ¼ l warmen Wasser trinken.

Ich finde die Verbreitung der Samen sehr charmant, einfach voll genial. Jede Pflanze hat ja hierzu  ihre speziellen Taktiken entwickelt. Die einen Pflanzen lassen die Samen vom Wasser transportieren und dann ans Ufer spülen, andere Nutzen die Kraft des Windes und wieder andere, und hierzu gehört auch das Leberblümchen, lassen einfach die Tierwelt für sie Arbeiten. Das Leberblümchen produziert einfach sehr fettreiche, ölhaltige und eiweißhaltige Samen, alles Inhaltsstoffe welche  für bei den Ameisen äußerst beliebt sind. So holen sich die Ameisen die Samen als Futter, und haben natürlich am Weg in ihr zu Hause einen gewissen Schwund der Kostbarkeit. Diese Samen welche die Ameisen am Weg verlieren können wieder wachsen, und die Vermehrung hat perfekt funktioniert!  

An dieser Stelle gehört auch vermerkt, dass das Leberblümchen in der Wildnis Aufgrund der geringen Population unter Naturschutz steht. Wir könnten hierzu Exemplare davon in unserem Garten pflanzen (mit ein bisschen Walderde) und so einerseits seine großartige Wirkung genießen, und andererseits einen kleinen Beitrag zur Arterhaltung leisten. Ein kleines Dankeschön zurück an die Natur für all die wertvollen Gaben, welche wir laufend ernten dürfen…..

Experten Tipp Eunike Grahofer, Gesundheitsbote, Jänner 2017

Die wichtigste „Geheimzutat“ des Jahreskräutersalzes

Betrachten wir in einer warmen Sommernacht, in eine leichte Decke gehüllt, ein Glas fruchtigen Weißwein in der Hand, die ewigen Weiten des Sternenhimmels, erzählt uns dieser von seiner Entstehungskraft. Jener Kraft, die auch auf der Erde eine der wichtigsten Energien ist! Die entstehen und Reifen lässt!

Jeder einzelne dieser unendlich strahlenden Lichtpunkte am Himmel hat seine eigene chemische Zusammensetzung, seine eigene Kraft, seinen eigenen Weg und seine eigene Geschwindigkeit  – seinen eigenen Rhythmus. Dies ergibt in Summe für uns Menschen unvorstellbare Milliarden verschiedener chemischer Zusammensetzungen, Milliarden verschiedener Kräfte, Milliarden verschiedener Geschwindigkeiten, Milliarden verschiedener Rhythmen. Dies müsste nach unserem Verstand eigentlich Chaos sein! Doch aus dem Chaos reifte eine chaotische Perfektion! Dies war nicht immer so. Wenn wir die Geschichte betrachten, formte sich diese „chaotische Ordnung“ über Jahrmillionen. Jeder einzelne der Milliarden Punkte am Himmel fand seinen speziellen Platz in aller Ruhe. Unzählbar viele Einzelqualitäten durften zu einer unfassbar kräftigen Gesamtqualität, einem geballten Ganzen erwachsen – ermöglicht durch Geduld und Zeit!

Diese Weisheit verstanden unsere Vorfahren. Dass alles im Leben seine Zeit brauchen darf, umschließt auch unsere Kräuteransätze und Pflanzenrezepturen. Dass sich ein Geschmack entfalten darf, Inhaltsstoffe entwickeln dürfen und wenn verschiedene Pflanzen in einem Rezept aufeinandertreffen, sich diese aufeinander einstimmen dürfen! Der einzigartige Geschmack und die erstaunliche Wirkung, die Rezepte in sich tragen, welche in Ruhe zu reifen vermochten sind ein Erlebnis an lieblicher Geschmacksvielfalt und  harmonischer Wirkung für den Genießer!  Keinesfalls Vergleichbar mit Rezepturen, die lediglich über Nacht oder gar nur 3 Minuten Zeit hatten um Inhaltsstoffe freizugeben!

In meiner Familie gab es seit Generationen die Tradition des „Jahreskräutersalzes“. Heute würden wir sagen, das Salz wird nach dem sogenannten Rumtopfprinzip gemacht. Über das ganze Jahr hinweg, wird von allen gesammelten Pflanzen, Pilzen, Samen etwas davon in das Glas mit Salz hineingegeben, so wächst bis in den Herbst hinein, langsam ein bunt gemischtes Kräutersalz heran. Die Zutaten dürfen bei diesem Rezept die wichtigste Zutat überhaupt „ ZEIT zum Reifen“ haben! Die Pflanzen und Pflanzenteile werden zum optimalen Zeitpunkt, in dem ihre Wirkstoffe bestmöglich entfaltet sind, geerntet. Nach dem Vorbild des Sternenhimmels, dürfen sich die verschiedenen Inhaltsstoffe der Pflanzen optimal aufeinander abstimmen. Es entsteht daraus eine Würzmischung, welche die geballte Kraft der Natur in sich trägt, sich harmoniesiert hat und diese Power an unserem Körper beim Essen weitergibt!

Und so geht’s:

Februar

Bereits im Februar starten wir mit dem Jahreskräutersalz!

Hierzu nehmen wir ein verschließbares Gefäß. Ich nehme gerne ein großes Rex-Glas, so 5kg. Für die Größe des Glases bedenken Sie bitte, dass über das Jahr immer wieder Pflanzen hinzugegeben werden,  dass es stetig wächst und das im Herbst zum geschmacklichen Abrunden noch Salz hinzugefügt wird.  Wir im Herbst auch schon wieder an Geschenke für Weihnachten denken, wofür sich so ein herrlich duftendes, selbstgemachtes Kräutersalz  in einem schönen Glas sehr gut eignet 😉

Dann nehmen wir 1kg gutes Salz- hier nehme ich gerne das österreichische Bergkernsalz, dieses ist heimische Qualität, ist naturbelassen und enthält verschiedenste, wertvolle Mineralstoffe.

Das Salz gibt man in das verschließbare Glas.

Nun folgt ein Winter-Spaziergang in den eigenen Garten, oder in die freie Natur um einiges an Knospen zu sammeln. Die Knospen der Heckenrose, des Lindenbaumes, der Apfelbäume, Weißdorn, der Birke oder die verschiedenen Johannisbeeresträucher, Stachelbeersträucher eigenen sich hervorragend dafür. Für 1kg Salz sammeln wir insgesammt  40 Stk an verschiedensten Knospen. Zu Hause zerkleinern die diese mit dem Mörser und geben sie in das vorbereitete Glas mit dem Salz. Mit einem Holzlöffel mischen wir die Knospen gut unter das Salz. Nun darf der Inhalt „rasten“ bis unsere Frühlingskräuter die Wiesen ergrünen lassen.

Ende März/ Anfang April

ernten wir jeweils eine Hand voll Spitzwegerich, Schafgarbe, Gundelrebe, Vogelknöterich, Löwenzahn, Käsepappel, Hirtentäschl, Veilchenblüten –  ein bisschen von all jene Kräuter die gerade  in der Wiese und im Garten zu finden sind. Wir trocknen diese, zerkleinern sie mit den Händen oder mit der Küchenmaschine ganz fein und geben sie in das Glas mit dem Salz hinzu. Mit dem Holzlöffel mischen wir die Kräuter mit dem Salz gut durch.  Wieder darf das Glas „rasten“ bis die nächsten Kräuter folgen. Von nun an, gehe ich 2 bis 3 Mal in der Woche zu dem Glas und schüttle es einmal kräftig durch – und manchmal öffne ich einfach den Deckel um den herrlichen Geruch zu genießen. Vor allem an bewölkten- oder Regentagen, rieche ich sehr gerne den Duft der Natur von diesem aromatischen Kräutersalzglas.

Mai

Im Mai folgen unsere Küchenkräuter. Wir nehmen jeweils eine Hand voll Thymian, Rosmarin, Oregano, Basilikum, Liebstöckl, Borretsch,  Kerbel….  je nachdem was sich an Küchenkräuter in unserem Garten befindet. Diese werden getrocknet, fein zermahlen und in das Kräutersalz-Gals hinzugegeben, mit dem Holzlöffel mischen wir die Mischung wieder gut durch.

So geben wir Monat für Monat etwas von jenen Pflanzen hinzu, welche wir für uns ernten.

August

Im August kommen  Pflanzensamen, wie Wegerichsamen, Brennnesselsamen und Früchte der Käsepappel hinzu.

September

Wer gerne Pilze sammelt, kann im September noch getrocknete, fein zermahlene Steinpilze hinzugeben.  Nach der letzten Zutat sollte das Kräutersalz noch mind. einen Monat raste – „harmonisieren“ dürfen.

Als letzten Schritt geben wir so viel an Salz hinzu, bis die Intensität des Geschmackes für uns angenehm ist. Jemand der gerne einen intensiveren Geschmack hat, der gibt weniger Salz hinzu, jemand der lieber milde Geschmacksnoten hat, gibt etwas mehr an Salz hinzu – so entsteht für jeden sein persönliches Jahreskräutersalz, aus seinen Pflanzen, die er gerne Verwendet und in seiner Geschmacksnuance.

Dieses Rezept des Jahreskräutersalzes habe ich von meiner geliebten Großmama, und meiner Mama erhalten.  Meine Oma füllte ihr Gefäß mit dem Salz und den Kräutern immer wieder auf, es ging nie aus. So ein Drittel verblieb immer im Gefäß! Meine Oma übergab ein großes Glas mit ein wenig fertigem Kräutersalz an meine Mama, welche die Tradition weiterpflegte und meine Mama übergab es schließlich an mich. So habe ich selbst heute noch in meinem  Jahreskräutersalz die Erinnerung, die Liebe und etwas der alten Zutaten von meiner Oma und meiner Mama drinnen. Und in wenigen Jahren werde ich etwas davon an meine Tochter weitergeben, und sie wird diese Tradition in ihrer eigenen Art mit Liebe und viel Zeit weiterführen….

Dieses und weitere Rezepte findet ihr in meinem Buch “Hausmittel im Jahreskreis”, erschienen im Freya Verlag € 7,90

über das ganze Jahr hinweg wird das Salz hergestellt.

Experten Tipp Eunike Grahofer, Die Bezirksblätter, 7. Dezember 2016

Urgroßmutter´s Baumharz

Mit gesenktem Blick sitzt der betagte Mann auf dem hölzernen Stuhl vor dem Küchentisch, seinen dunkelbraunen Gehstock in Griffwiete, auf die weiße Küchenkommode angelehnt, während er in seinem Fotoalbum blättert. …

Wie jeden Tag besuchte der kleine Maximilian am Heimweg noch schnell seinen geliebten Großvater. Wirkt dieser doch seit dem Tod der Großmutter, und seit ihm das Gehen schon schwer fällt, stets so traurig. Unzählige Nächte dachte der kleine Junge darüber nach, womit er ihm eine Freude machen könne.  Energiegeladen öffnet er die Haustür, und ruft „Großvater ich bin es, der Maxi“ um ihm kurz darauf um seinen Hals zu fallen.  Gemeinsam blättern die Beiden das Fotoalbum durch, als der betagte Mann bei einem Bild inne hält, liebevoll mit seiner Hand darüberstreicht, als wollte er Falten glattstreichen, die eigentlich gar nicht da sind…. „Weist Du Maxi, der Wald war stets mein Leben, der Duft der Bäume, die Waldluft, die Ruhe… dort war ich immer glücklich.“ Aufmerksam lauschte der Junge den Erzählungen seines Großvaters, doch dieser eine Satz ging Maximilian einfach nicht aus dem Kopf. Am nächsten Tag fand in der Schule ein Wandertag statt. Er spielte mit anderen Burschen verstecken, dabei drückte er sich ganz dicht an einen Baum. Als er seine Hand vom Baum nahm, schien diese mit einem „Kleber“ überzogen zu sein. Den ganzen restlichen Tag wollte diese klebrige Masse nicht von der Hand gehen. Die Lehrerin erklärte ihm, dass dies ein Baumharz sei. Irgendwann roch er zufällig von seiner Hand – „hmm…so riecht der Wald, so ist der Geruch von Bäumen….“, schoss es durch seinen Kopf.  Am nächsten Tag lief der Junge zu jener Stelle in Wald, nahm ein Stück Birkenrinde und legte darauf etwas vom Baumharz, lief zu seinem Opa um ihm aufgeregt den Geruch vom Wald zu bringen…  Der Großvater wusste gar nicht wie ihm geschah, umarmte den Jungen voller Freude, erhob sich, um die Baumrinde  mit dem Harz sogleich am Rand des alten Ofens zu legen. Das Harz wurde flüssig und sein herrlich waldiger Duft breitete sich in der ganzen Küchenstube aus. Er setzte sich wieder zu seinem Enkel und erzählte freudestrahlend. „Maxi, meine Mutter, deine Urgroßoma hat das immer so gemacht als ich noch ein Kind war. Im Herbst und Winter hat sie abends ein Stück Harz auf einer Rinde am Rand des Ofens gelegt. Sie meinte immer, dass reinigt die Luft und wir würden dann nicht so schnell Verkühlt werden oder Grippe bekommen und es würde uns beruhigen, wir würden damit gut schlafen können.“  Ein kleines Stück des Harzes behielt er in seiner Hand und drückte es zwischen seinen Fingern, während er weiter erzählte. „Das Baumharz haben wir, wenn wir einen Stachel oder einen Schiefer hatten mit den Fingern flach gedrückt und auf die betroffene Körperstelle gedrückt, darüber ein Tuch oder einen Verband gewickelt. Dies haben wir dann über Nacht oben gelassen. Das Harz hat so über Nacht die Verunreinigung aus dem Körper geholt. Bei eitrigen Verletzungen oder Schwellungen hat deine Urgroßmutter eine Ringelblumensalbe, mit etwas Harz darin gehabt, die wurde als `Zugssalbe` auf den Körper aufgetragen.  Selbst bei Gelenksschmerzen, Verkühlung oder Husten haben wir früher Harzsalben verwendet!  Ich liebe diesen beruhigenden Harzgeruch, der in mir ein Gefühl von Wärme vermittelt, mich an meine schöne Kindheitszeit und meine Jahre als Förster im Wald erinnert…“  Liebevoll streicht er dabei über die Hand seines Enkelsohnes, welcher ihm nun regelmäßig etwas Harz aus dem Wald holte. Heute können wir das z. B. in die Duftlampe geben.  Es sind im Leben die kleinen Aufmerksamkeiten, welche von Herzen kommen, mit denen wir wirkliche Freude und unvergessliche Momente schenken!

Ein schönes, herzliches Weihnachtsfest wünscht Ihnen

Eunike Grahofer Naturpädagogin

Kolumne Weißdorn

Experten Tipp Eunike Grahofer, Lifestylemagazin die Waldviertlerin, 1. Dezember 2016

Köstlicher Sirup bei Erkältung, Husten, Halsschmerzen
Wacholder – Juniperus communis

„Die Kranewitt`n Beeren soll der Frost mindestens 3 x geküsst haben, ehe sie geerntet werden“, erzählt der Volksmund. Mit „Kranewittn“ ist eine unserer wertvollsten Pflanzen gemeint – der Wacholder. Über seinem Holz wurde Fleisch geräuchert, seine Beeren galten sowohl roh oder in Speisen mitgekocht als Universal-Naturmedizin und schmackhaftes Küchengewürz. Heute ist er leider etwas in Vergessenheit geraten. Die Beeren mit kochendem Wasser übergossen, 10 Minuten ziehen gelassen, abgesiehen und getrunken galt als Harntreibend. Bei Verdauungsproblemen wurden die Beeren gekaut. Die Beeren oder Zweige nach dem Kochen auf die auskühlende Herdplatte gelegt, bringt nicht nur einen köstlichen Geruch in die Wohnung, sondern es entfalten sich auch seine desinfizierenden Inhaltsstoffe, welche gerade in der Grippezeit die Zimmerluft reinigen. Bei Erkältungskrankheiten, Husten oder Halsschmerzen gibt es ein köstliches Siruprezept. Hierzu nimmt man 1 Hand voll Wacholderbeeren, 1kg Naturzucker, ¾ l Wasser. Die Wacholderbeeren zerquetschen und mit dem kochenden Wasser übergießen und über Nacht stehen lassen. Am nächsten Tag das Beeren-Wasser langsam erhitzen und die Beeren abseihen. In den zurückbleibenden Wacholdersud den Naturzucker einrühren und auf kleiner Flamme, bei oftmaligem Umrühren, köcheln. Der Wacholdersirup ist dann fertig, wenn ein honigartiger Sirup entstanden ist. Den Sirup rasch in saubere Gläser abfüllen. Man nimmt ihn Löffelweise pur zu sich oder als süße fürs Getränke. Er hat eine stark antibakterielle Wirkung, wirkt hustenlindernd, regt den Stoffwechsel an und wirkt beruhigend bei Entzündungen im Verdauungstrakt.

Experten Tipp Eunike Grahofer, “Mein Bezirk”“, Bezirksblätter Waidhofen/Th, November 2016

Tonikum für unsere Psyche / Mittel gegen Erkältung

Heublumen sind der feine „Abfall“, die Kostbarkeit, welche während der Heueinlagerung von den Scheunenböden rieselt. Darin tummeln sich eine Vielfalt an Gräser und Wildkräuter. Durchschnittlich befinden sich 40 bis 50 verschiedene Pflanzenarten in den Heublumen. Jede einzelne Pflanze besteht wiederum aus einer großen Kombination von verschiedenen Inhaltsstoffen. Bei ca. 50 Arten ergibt dies ein breites Spektrum an Wirkstoffen. Wir nutzen mit den Heublumen die ganze Kraft der Wiese für unsere Gesundheit. Alle wasserlöslichen Inhaltsstoffe gelangen bei einem Umschlag oder einem Bad über die Poren der Haut in den Körper, selbst bis ins Blut vermögen die Stoffe vorzudringen. In dem Waldviertler Kräuterbuch „Der Pepi Onkel – Das Pflanzenwissen der einfachen Leute“ erzählt uns Gerlinde, eine Kräuterfrau aus Leib und Seele, folgendes Heublumen-Umschlagrezept gegen Erkältungen und Husten: Sie nimmt 2 bis 3 Hände voll Heublumen, lässt diese in 2,5 l Wasser aufkochen und ca. 20 Minuten darin nachziehen. Die möglichst warmen Heublumen schlägt Gerlinde nun in ein Tuch ein und legt dies auf die Brust auf, bis keine Wärme mehr spürbar ist. Das übriggebliebene Kochwasser schüttet die betagte Frau nicht etwa weg… nein, sondern dieses wärmt Gerlinde auf und genießt es in ein Vollbad. „Der Duft des Heublumenbades wirkt nicht nur entspannend auf unseren Körper sondern auch ausgleichend auf unsere Psyche“, erzählt die erfahrene Kräuterfrau.

Experten Tipp Eunike Grahofer, “Mein Bezirk”“, Bezirksblätter Waidhofen/Th, Oktober 2016

Farne fürs Obst und für die Füße

Gehen wir in unseren Wäldern spazieren, finden wir die verschiedensten Farnarten. Farne waren für die Obsteinlagerung seit je her von großer Bedeutung.  Betrachten wir diese am Beispiel der Apfeleinlagerung: Äpfel atmen kleinste Wassertröpfchen aus, wir nennen es umgangssprachlich „sie schwitzen“. Hierbei verbindet sich die Feuchtigkeit auf Schale mit der Luftfeuchtigkeit des Lagerraumes. Gerade diese Stellen der Apfelschalen bilden ein „Paradies“ für kleine Mikroorganismen, daraus resultieren braune Stellen und der Zerfall-Prozess nimmt seinen unweigerlichen Lauf. Um die natürliche Lagerfähigkeit der Äpfel zu verlängern, wurden im Spätsommer Farne aus dem Wald geholt. Farne haben einerseits keimtötende Eigenschaften, andererseits können sie sehr viel Flüssigkeit aufnehmen. So wurden die Farne sorgfältig auf dem Obstregal aufgelegt, und direkt darauf wurden dann die Äpfel  gebettet. Sondern die Äpfel nun Flüssigkeit ab, nimmt der Farn die Flüssigkeit auf, und die Äpfel bleiben äußerlich trocken, zusätzlich wirken  die keimtötenden Inhaltsstoffe. Auf diese einfache und effiziente Weise konnte das Obst für die Wintermonate länger haltbar gehalten werden.

Auch für die Füße, wusste die Volkskunde die Farne zu verwenden. Neigte jemand zu Schweißfüssen, legte man Farne in dessen Schuhe hinein. Die Farne sind flach und drücken beim Gehen nicht. Sie nehmen auch hier die Flüssigkeit der Füße auf und wirken desinfizierend – eine perfekte Kombination zum Wohle aller!

Experten Tipp Eunike Grahofer, “Mein Bezirk”“, Bezirksblätter Waidhofen/Th, September 2016

kostbares Rotöl – bei Überlastungsschmerzen: Johanniskraut – Hypericum perforatum

Nimmt man ein Blatt des Johanniskraut und hält es gegen die Sonne,  sieht man viele  kleine Punkte,  die Öldrüsen der Pflanze, die  den roten Farbstoff  enthalten. Daran erkennt man das echte Johanniskraut, welches für das „kostbare Rotöl“ verwendet wird. Dieses Johanniskrautöl war einst Hauptbestandteil jeder Hausapotheke, ob äußerlich zur Hautberuhigung, zur Narbenpflege, bei Ohrproblemen, bei kleinen Wunden, zur Muskelentspannung, bei Schmerzen Aufgrund Überbelastung, bei Prellungen, blauen Flecken, bei Verbrennungen oder innerlich bei Magen/Darmproblemen oder psychisch aufhellend  – schlichtweg ein Allroundmittel.  Äußerlich massiert man das Öl einfach auf die gewünschten Stellen ein, beim Ohr gibt man das Öl auf eine wenig Watte.  Innerlich Angewandt achtet man jedoch darauf, dass  Johanniskraut, über längere Zeit eingenommen Medikamente außer Kraft setzten und bei großflächiger Anwendung auf der Haut die Lichtempfindlichkeit der Haut beeinflussen kann. Mit dem Herbst beginnt die Zeit die Sträucher zu schneiden, das Gemüse aus dem Garten zu verarbeiten, den Boden umzustechen, die letzten Früchte zu ernten. All dies sind Tätigkeiten, bei denen unser Rücken- und Gelenksapparat intensiver belastet wird.  Bei Schmerzen, die aus eben diesen Überlastungen heraus resultieren unterstützt es, die betroffenen Körperteile mit dem wärmenden, entspannenden Johanniskrautöl  einzumassieren, sich in eine warme Decke zu kuscheln und etwas auszuspannen – das Johanniskrautöl wirken zu lassen.

Kolumne Weißdorn

Experten Tipp, Eunike Grahofer, “Die Waldviertlerin” Ausgabe, 1. September 2016

Farne zum Obsteinlagern und gegen Schweißfüße

Die Volkskunde erzählt uns eine ganz besondere und einfache Art, um die Haltbarkeit von Obst, im speziellen von Äpfel zu verlängern.  Äpfel atmen bei der Lagerung  kleinste Wassertröpfchen aus, wir nennen es umgangssprachlich „sie schwitzen“. Hierbei verbindet sich die Feuchtigkeit auf der Schale mit der Luftfeuchtigkeit des Lagerraumes. Gerade diese Stellen der Apfelschalen bilden ein „Paradies“ für kleine Mikroorganismen, daraus resultieren braune Stellen und der Zerfall-Prozess nimmt seinen unweigerlichen Lauf. Um die natürliche Lagerfähigkeit der Äpfel zu verlängern, wurden im Spätsommer Farne aus dem Wald geholt. Farne haben einerseits keimtötende Eigenschaften, andererseits können sie sehr viel Flüssigkeit aufnehmen, ohne sie wieder abzugeben. So wurden die geernteten Farne in der kühlen Vorratskammer sorgfältig auf dem Obstregal aufgelegt, und direkt darauf wurden dann die geernteten Äpfel  gebettet. Sondern die Äpfel dann bei der Lagerung ihre Flüssigkeit ab, nehmen die Farne die Flüssigkeit auf, und die Äpfel bleiben äußerlich trocken, zusätzlich sorgen die keimtötenden Inhaltsstoffe der Farne für eine längere Haltbarkeit der Äpfel. Auf diese einfache und effiziente Weise war das Obst über die Wintermonate  verfügbar. Auch für die Füße, wusste die Volkskunde die Farne zu verwenden. Neigte jemand zu Schweißfüssen, legte man Farne in dessen Schuhe hinein. Die Farne nehmen auch hier die Flüssigkeit der Füße auf und wirken desinfizierend – eine perfekte Kombination zum Wohle aller!  Wichtig: Farne werden in keinerlei Form innerlich verwendet!

Kolumne Weißdorn

Experten Tipp, Eunike Grahofer, “Die Waldviertlerin”Ausgabe 1. Juni 2016

kostbares Rotöl: Johanniskraut – Hypericum perforatum

Nimmt man ein Blatt des Johanniskraut und hält es gegen die Sonne,  sieht man viele  kleine Punkte,  die Öldrüsen der Pflanze, die  den roten Farbstoff  enthalten. An den Öldrüsen erkennt man, dass es sich bei der Pflanze um das echte Johanniskraut handelt.  Aus dem Johanniskraut wird das „kostbare Rotöl“, das Johannsikrautöl gemacht, welches einst Hauptbestandteil jeder Hausapotheke war. Ob äußerlich zur Hautberuhigung, zur Narbenpflege, bei Ohrproblemen, bei kleinen Wunden, zur Muskelentspannung, bei Schmerzen Aufgrund Überbelastung, bei Prellungen, blauen Flecken, bei Verbrennungen oder innerlich bei Magen/Darmproblemen oder psychisch aufhellend  – das Johanniskrautöl  ist ein Allroundmittel.  Äußerlich massiert man das Öl einfach auf die gewünschten Stellen ein, beim Ohr gibt man das Öl auf eine wenig Watte.  Innerlich Angewandt achtet man darauf, dass  Johanniskraut, über längere Zeit eingenommen Medikamente außer Kraft setzten und bei großflächiger Anwendung auf der Haut die Lichtempfindlichkeit der Haut beeinflussen kann. So wirs gemacht: An heißen, sonnigen Tagen produziert das Johanniskraut eine hohe Dosis seines roten Farbstoffes. Es eignet sich somit optimal für die Herstellung des Johanniskrautöles. Man nimmt Stiel, Blatt und Blüte vom Johanniskraut und ein kaltgepresstes Öl und gibt die Pflanzenteile in ein  durchsichtiges Gefäß, bis  1/3 der Gefäßhöhe an Johanniskrautteile bedeckt sind, dann füllt man das Gefäß zur Gänze mit dem kaltgepressten Öl an lässt dies für mindestens 4 Wochen an einem sonnigen Platz rasten. Man erkennt die optimale Reife des Öles an seiner kräftig roten Farbe.

Kolumne Weißdorn

Experten Tipp, Eunike Grahofer, “Die Waldviertlerin” Ausgabe 1. März 2016

Die Königin aller Entgiftungsplfanzen

Gundelrebe – Glechoma hederacea
Die Gundelrebe  finden wir entlang  der Wegesränder und in unseren Wiesen. Mit ihren kriechenden Ausläufern, schlängelt sie sich die Pflanze mit den herzförmigen Blättern zwischen den Grashalmen hindurch.  Am leichtesten finden wir sie zu jenem Zeitpunkt, wo sie von ihren Inhaltsstoffen auch am wirksamsten ist, nämlich zeitig im Frühling. Hier erkennen wir sie an den auffallenden violetten Blüten, die scheinbar aus dem nichts zwischen dem Gras herausleuchten.  Die Gundelrebe hat besonders im Waldviertel eine  sehr alte Tradition als Gewürzpflanze, die sowohl kalten als auch warmen Speisen beigegeben werden kann.  Sie überrascht uns mit einer  intensiven, etwas mentholigen Geschmacksnote. Wir können sie in Aufstriche geben, als Tee kochen, in Suppen zugeben oder beim Würzen von Fleisch u. Fisch verwenden. Für unseren Körper ist sie wahrhaft eine Königin der Entgiftung! Sie wirkt schleimlösend, harnsäurelösend, Leber- und Gallenreinigend, sie wurde seit je her zur Rekonvaleszenz nach langen Krankheiten eingesetzt.  Gundelrebe  kann das ganze Jahr über, selbst über die Wintermonate geerntet werden, so findet  sie als Tee zubereitet erfolgreiche Anwendung gegen Erkältungskrankheiten.
Schneller, einfacher Frühlings-Reinigungsdrink: 1ne Hand voll Gundelrebenblätter, einen Teelöffel Zitronensaft oder 2 Tropfen ätherisches Bio-Zitronenöl, 1 Liter Wasser Die Pflanzen mit dem Zitronensaft in einen Krug geben, mit dem Wasser aufgießen und über Nacht stehen lassen. Am nächsten Tag kann das köstliche , entschlackende Gundelreben-Wasser getrunken werden. Die Pflanze kann noch ein zweites Mal mit Wasser aufgegossen und stehengelassen werden.

Kolumne Weißdorn

Experten Tipp, Eunike Grahofer, “Die Waldviertlerin”,  Ausgabe 1. Dezember 2015

Tonikum für unsere Psyche /Mittel gegen Erkältung

Heublumen – Flores graminis

Heublumen sind der feine „Abfall“, die Kostbarkeit, welche während der Heueinlagerung von den Scheunenböden rieselt. Darin tummeln sich eine Vielfalt an Gräser und Wildkräuter. Durchschnittlich befinden sich 40 bis 50 verschiedene Pflanzenarten in den Heublumen. Jede einzelne Pflanze besteht wiederum aus einer großen Kombination von verschiedenen Inhaltsstoffen. Bei ca. 50 Arten ergibt dies ein breites Spektrum an Wirkstoffen. Wir nutzen mit den Heublumen die ganze Kraft der Wiese für unsere Gesundheit. Alle wasserlöslichen Inhaltsstoffe gelangen bei einem Umschlag oder einem Bad über die Poren der Haut in den Körper, selbst bis ins Blut vermögen die Stoffe vorzudringen. In dem Waldviertler Kräuterbuch „Der Pepi Onkel  – Das Pflanzenwissen der einfachen Leute“ erzählt uns Gerlinde, eine Kräuterfrau aus Leib und Seele, folgendes Heublumen-Umschlagrezept gegen Erkältungen und Husten: Sie nimmt 2 bis 3 Hände voll Heublumen, lässt diese in 2,5 l Wasser aufkochen und ca. 20 Minuten darin nachziehen. Die möglichst warmen Heublumen schlägt Gerlinde nun in ein Tuch ein und legt dies auf die Brust auf, bis keine Wärme mehr spürbar ist. Das übriggebliebene Kochwasser schüttet die betagte Frau nicht etwa weg… nein, sondern dieses wärmt Gerlinde auf und genießt es in ein Vollbad. „Der Duft des Heublumenbades wirkt nicht nur entspannend auf unseren Körper sondern auch ausgleichend auf unsere Psyche“, erzählt die erfahrene Kräuterfrau.

Experten Tipp, Eunike Grahofer, “Mein Waidhofen” November 2015

Unsere Gesunde Gemeinde
Die Pflanzen entlang der Waidhofner Heimatsleit`n

Die Pflanze bei Erkältungskrankheiten

Mädesüß – Filipendula ulmaria
Im Sommer finden wir das bis zu einem Meter hohe Mädesüß entlang der Uferzone der Heimatsleit`n. Aus ihren honigartig duftenden frischen Blüten kann man im Frühjahr einen schmackhaften Sirup, Rezeptur wir beim Holunderblütensirup ansetzten. Die jungen Blätter wurden in der Volksheilkunde seit je her bei reuhmatischen Beschwerden eingesetzt. Hieronymus  Bock erwähnt die Wurzeln dieser Pflanze als gallereinigend. In der Naturkosmetik wird aus ihren Blüten ein Gesichtswasser zur Hautentspannung empfohlen. Im Winter kann dieses aus den getrockneten Blüten ehrgestellt werden. Hierzu bereitet man einen Tee aus 1 EL Mädesüßblüten welche mit heißem Wasser übergossen und 10 Minuten ziehen gelassen wird. Nach dem Abseihen der Blüten, lässt man das Mädesüßwasser  abkühlen und verwendet dies nun für angenehme Gesichtsumschläge. Gerade in der Ballsaison ist dies eine Wohltat für unsere Haut!  So ein Mädesüßtee wird zur  Fiebersenkung und bei Erkältungskrankheiten getrunken. Er ist eine Teezubereitung wenn bereits eine Erkältung da ist zur Besserung und nicht zur Langzeitanwendung.  Möchte man Mädesüß über einen längeren Zeitraum trinken, dann empfiehlt es sich eine Teemischung zuzubereiten, worin Mädesüß enthalten ist. Eine Waldviertler Teezubereitung die in vielen Familienüberlieferungen zu finden ist, ist z.B. Lindenblüten, Spitzwegerich und Mädesüß zu gleichen Teilen vermischen, mitheißem Wasser übergießen und 6 Minuten ziehen lassen.
Mädesüß enthält natürliche Saliyclsäure, ein Wirkstoff den wir vom „Aspirin“ kennen.. Nimmt jemand blutverdünnende Medikamente ein, dann soll er Mädesüß nicht oder nur nach Rücksprache mit seinem Hausarzt verwenden.

Die Kräuterwanderung, welche seit 2 Jahren entlang der Waidhofner Heimatsleit`n stattfinden sind ab sofort bei Buchhandlung Kargl oder Danuspirt auch als DVD mit 85 Minuten Spielzeit  und vielen Rezepten erhältlich.

Kolumne Weißdorn

Experten Tipp, Eunike Grahofer, “Die Waldviertlerin”  Ausgabe 1. September 2015

Frauenwein gegen Unterleibskrämpfe

Beifuß – Artemisia vulgaris

Der Beifuß ist einer unserer meist verbreitetsten Wildkräuter. Ebenso vielfältig sind seine Wirkungsweisen. Er wächst gerne an Wegesrändern, an Straßenrändern und überall dort, wo Erdbewegungen stattfanden, wächst er als Pionierpflanze. Wir erkennen den bis zu 3 Meter hohen Beifuß an der silbernen Unterseite der Blätter und im späteren Jahresverlauf an seinem rötlichen Stiel.  Die Volkskunde erzählt uns von einem köstlich schmeckenden Beifuß-Rezept gegen Unterleibskrämpfe. – unseren Frauenwein. Hierzu nehmen wir einen Liter guten Rotwein, möglichst ohne Holznote und bringen ihn in einem Kochtopf zum Köcheln. Geben 1 EL Frauenmantelkraut, 1 EL Schafgarbenblüten und 1 EL Beifußblätter hinzu. Diesen entspannenden Kräuterwein lassen wir für ca. 15 Minuten am Herd auf kleiner Flamme weiterköcheln. Im Anschluss stellen wir den Frauentrunk für 1ne Woche dunkel und abgedeckt zum „Rasten“, zum „Harmonisieren“ in einen ruhigen Raum. Nach dieser Woche seihen wir die Kräuter ab und erwärmen die verbleibende Flüssigkeit nochmals, fügen 2 EL Honig hinzu und lassen den Kräuterwein noch solange unter ständigem umrühren am Herd stehen, bis sich der Honig zur Gänze aufgelöst hat. Danach füllen wir den fertigen Frauenwein in Flaschen ab. Bei Unterleibskrämpfen trinkt man morgens und abends ein Stamperl von diesem Wein. Bei Menstruationsproblemen empfiehlt es sich, den Frauenwein bereits 1 bis 2 Tage vor der Menstruation jeweils in der Früh und am Abend ein kleines Stamperl zu trinken. Wohl bekomm`s!

Experten Tipp, Eunike Grahofer, “Mein Waidhofen” August 2015

Unsere Gesunde Gemeinde
Die Pflanzen entlang der Waidhofner Heimatsleit`n

Farne gegen Schweißfüße

Gehen wir entlang unserer Waidhofener Heimatsleit`n finden wir in der lichten Laubwaldböschung  verschiedene Farnarten. Die Volkskunde erzählt uns, dass Farne für die Obsteinlagerung immer von großer Bedeutung waren.  Betrachten wir diese alte Volksweisheit am Beispiel der Apfeleinlagerung: Äpfel atmen kleinste Wassertröpfchen aus, wir nennen es umgangssprachlich „sie schwitzen“. Hierbei verbindet sich die Feuchtigkeit auf Schale mit der Luftfeuchtigkeit des Lagerraumes. Gerade diese Stellen der Apfelschalen bilden ein „Paradies“ für kleine Mikroorganismen, daraus resultieren braune Stellen und der Zerfall-Prozess nimmt seinen unweigerlichen Lauf. Um die natürliche Lagerfähigkeit der Äpfel zu verlängern, wurden im Spätsommer Farne aus dem Wald geholt. Farne haben einerseits keimtötende Eigenschaften, andererseits können sie sehr viel Flüssigkeit aufnehmen, ohne sie wieder abzugeben. So wurden die geernteten Farne in der kühlen Vorratskammer sorgfältig auf dem Obstregal aufgelegt, und direkt darauf wurden dann die geernteten Äpfel  gebettet. Sondern die Äpfel nun Flüssigkeit ab, nimmt der Farn die Flüssigkeit auf, und die Äpfel bleiben äußerlich trocken, zusätzlich wirken  die keimtötenden Inhaltsstoffe. Auf diese einfache und effiziente Weise konnte das Obst für die Wintermonate länger haltbar gehalten werden.
Auch für die Füße, wusste die Volkskunde die Farne zu verwenden. Neigte jemand zu Schweißfüssen, legte man Farne in dessen Schuhe hinein. Die Farne nehmen auch hier die Flüssigkeit der Füße auf und wirken desinfizierend – eine perfekte Kombination zum Wohle aller!
Gegen Warzen wurde eine Farntinktur zubereitet. Hierzu zerkleinerte man die Farne auf ca. 1 cm dicke Stücke, gab diese in ein verschließbares Glas, füllte 80% des Glases mit Farnstücke an. Dann goss man einen Alkohol drauf – entweder einen Korn oder einen Obstler. Dies wurde für 3 – 4 Wochen ziehen gelassen, dann wird wir die Flüssigkeit abgesiehen und ist fertig. Gegen Warzen, wird ein Wattestäbchen in die Farntinktur getaucht und die Warze damit mehrmals täglich betupft.

Kolumne Weißdorn

Experten Tipp, Eunike Grahofer, “Die Waldviertlerin”  Ausgabe 1. Juni 2015

köstliche Rarität – der  „Heimruamsalat“

Kugelige Herbstrübe – Brassica rapa subsp. Rapa subvar. esculenta

„Jahrelang suche ich bereits nach der Heimruam,  im Frühjahr hab ich zufällig Samen gefunden und schau mal wie schön sie geworden sind“, erzählte mir mein Vater stolz, voller Freude, während er mir etwas, was eigentlich wie ein mutiertes Radieschen aussieht entgegenstreckt. Meine Großeltern haben einst, im Juli, wenn das Getreide heimgebracht war, am Acker diese „Heimruam“ angebaut, erzählt er mir weiter. Was der Rübe auch den Umgangssprachlichen Namen „Heimruam“ einbrachte. Die Ernte erfolgt dann ab Anfang Oktober bis Anfang November. Bevor die Kälte und der Schnee kommen soll die Rübe geerntet werden. Ihr Äußeres und ihren Geschmack könnte man mit einer Mischung aus Radieschen und Kohlrübe beschreiben. Die Rübe, welche mir mein Vater entgegenstreckt hat einen Durchmesser von gut 8 cm. Er erzählt weiter, dass sie einst wie Sauerkraut eingelegt und auch als Suppe oder (gekochter) Salat verspeist wurde. Der Anbau der Erdäpfel hat einst die Herbstrübe, auch Stoppelrübe genannt in den Hintergrund und somit fast ins Vergessen gedrängt. Warmer Herbstrübensalat: Die Herbstrübe schälen und fein-nudelig schneiden, ein wenig Essig mit Rindssuppe, Kümmel, Zucker, Salz und Pfeffer aufkochen. Die Herbstrübenstücke zugeben und kurz aufkochen lassen. Währenddessen Selchspeck kleinwürfelig schneiden und in der Pfanne anschwitzen lassen, nun einen kleingeschnittenen Zwiebel beigeben bis dieser goldgelb ist. Die Herbstrübe abseihen und Speck + Zwiebel unter den Herbstrübensalat mischen und warm servieren. Eine köstliche Rarität!

Experten Tipp, Eunike Grahofer, “Mein Waidhofen” Mai 2015

Der Giersch   

„Die Petersilie der armen Leute“ (Aegopodium podagrarias)

Erdholler, Zipperleinskraut, „Petersilie der armen Leute“ sind nur einige der Volksnamen unseres Giersch. Er gehört zur Pflanzenfamilie der Doldenblütler.  Sein Name bedeutet übersetzt „Ziegenfuß“, weil die Form seiner Blätter, wenn wir sie verkehrt herum halten, etwas an einen Ziegenfuß erinnert. Wir finden diese wachstumsfreudige Pflanze im Grünstreifen der Heimatsleit`n entlang der  Thaya. Wir erkennen den Giersch an seinem dreikantigen Stiel und den Blättern, die denen des Holunderstrauches gleichen. Dies brachte ihm den Beinamen Erdholler ein. Pflücken wir den Giersch ab, entfaltet sich sein Petersilienaroma, welches wir am stärksten an seinem Stiel riechen können. Der Giersch ist aufgrund seiner Neigung zum Wuchern auch in schlechten Zeiten  stets verfügbar gewesen. Er konnte reichlich zum Würzen und Kochen verwendet werden.  Schnell erhielt er dadurch den Namen „Petersilie der armen Leute“.

Aus der Klostermedizin ist  die Verwendung des Giersch als „Gichtheiler“  nicht wegzudenken. Neben der Brennnessel ist Giersch eines unserer ältesten, genutzten Wildgemüsearten. Hildegard schätzte ihn aufgrund seiner harnsäurekristallausschwemmenden Wirkung, wenn er als Tee, oder Mixgetränk (Rezept unter Anwendungstipp) getrunken wird.  Zu den Inhaltsstoffen dieses Energiespenders zählen Eisen, Mangan, Kalium, Magnesium, Kupfer, Vitamin B1, B2, C, E sowie Kieselsäure.

Seine jungen Blätter schmecken köstlich in Salaten, als Spinat, in Suppen oder in Aufstrichen. Mit fortschreitendem Jahresverlauf, wenn die Blätter älter werden, werden sie gröber, dann schmecken sie in Salaten nicht mehr so gut, eignen sich jedoch weiters hervorragend zum Kochen,  zum Beispiel als Gierscherdäpfel. Hierzu geben wir (wie bei Petersielerdäpfel) die Gierschblätter unter die in Butter angerösteten Erdäpfel.  Diese energiegeladene Pflanze kann klein geschnitten in Pesto, oder als Gewürz zu Braten verwendet werden.

Anwendungstipp:  Basischer Energietrunk: Eine Handvoll frischer junger Gierschblätter in  ¾ L Wasser geben, mit dem Mixstab pürieren, den Saft abseihen und genießen. Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Ausprobieren!

Eunike Grahofer, “Der Gesundheitsbote”, April 2015

Die Geschichte von „Gastroca“

Ein dunkelbrauner Mantel mit aufgestelltem Kragen, um den beißenden Jänner Temperaturen möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten, breite Schultern, mittelgroßer Körperwuchs, schütteres Haar, welche sich seitlich des Hutes an den Kopf schmiegten, eine tiefe männliche Stimme  – die Reise in die alte Geschichte um  Gastroca startet, zieht alle Beteiligten ich ihren Bann…

„Kennen Sie dass“, meinte der energische Herr mittleren Alters während er seine Lederhandschuhe auszog und einen zerknitterten, vergilbten,  handgeschriebenen Zettel auf die Theke des kleinen Kräuterlädchens legte.  „Equisetum, Verbascum, Taraxum, Calentula, Gastroca“ war noch schwer leserlich darauf zu erkennen. Equisetum  – der  Schachtelhalm , Verbascum – die Königskerze, Taraxum – der Löwenzahn, Calentula – die Ringelblume und Gastroca – doch die Bedeutung dieses scheinbar so geläufigen Namens verschweigt jedes Pflanzennachschlagewerk. Die Großmutter jenes durchsetzungskräftigen Mannes hatte diese Rezeptur einst verwendet, und die Dame ist beachtlich alt geworden! Nur hat sich leider niemand in der Familie zu ihren Lebzeiten für die Rezepturen interessiert, so bleibt nun als einziger Zeitzeuge ein handgeschriebenes, zerknittertes Rätsel zurück…
Im Internet, als Suchmedium für Gastroca zu Rate gezogen, öffnen sich lediglich unendlich scheinende Seiten über Gastronomie. Kann es sich bei Gastroca etwa um eine kleinregionale Pflanzenbezeichnung handeln? Kleinregionale Namen beziehen sich zumeist auf Verwendungen, Beobachtungen oder Aussehen zu einer Pflanze wie zum Beispiel die Schafgarbe, als Zimmermanskraut bezeichnet wird. Doch finden wir in der einfachen Bevölkerung keine regionalen Benennungen in lateinischer oder griechischer Sprache.  Dieser Anhaltspunkt entzündet eine weitere Idee! Der Duden, das Universalwörterbuch könnte über die Bedeutung des Wortes Auskunft geben. Darin ist zu lesen: „Gaster – griechisch = Magen“.  Die oben genannten Pflanzen haben alle magenunterstützende Eigenschaften, es könnte sich im Allgemeinen ja schon um eine magenunterstützende Rezeptur handeln.
Selbst die um Hilfe gebetenen botanischen Institute können dem Wort keine Pflanze zuordnen. Ein erster vielversprechender Hinweis kommt vom niederösterreichischen Pflanzenforscher Georg Schramayr: „Ich halte es für einen Übertragungsfehler. Eine mitteleuropäische Pflanze ist es sicher nicht. Was mir dazu einfällt ist eine Pflanze namens Gastrocarpha, die um die letzte Jahrhundertwende als einfache, einjährige Gartenpflanze häufig gezogen wurde. Dieser kleine Korbblütler aus Chile hat einen moschusartigen Geruch und heißt jetzt Moscaria sp.“  Endlich ein Anhaltspunkt! Endlich jemand mit dem man über die Pflanze sprechen kann! Das scheint die viel erhoffte Lösung des Rätsels zu sein! Eine Änderung des wissenschaftlichen Pflanzennamens und schon ist eine Pflanze kaum mehr zu finden! Bei näherer Absprache mit dem hilfsbereiten Herrn Schramayr stellt sich leider heraus dass die Inhaltsstoffe jener Pflanze nicht in diese alte Magenrezeptur passen. Oft kann in unserem Leben die Antwort erst kommen wenn wir innerlich losgelassen haben. Antworten wollen ihre eigenen Wege finden…
Und diese Antwort fand einen ganz wunderbaren, einzigartigen Weg. Sie offenbarte sich auf die gleiche unvermittelte Art und Weise wie einst die Fragestellung. Diesmal ist es ein sonniger, warmer Frühlingstag im Waldviertel eingekehrt. Eine lebenslustige, kleinere Frauengestalt, in knallrotem Pullover und ebenso roten Strähnen in den blondgrauen Haaren betritt zielstrebig das kleine Kräuterlädchen: „Schauen Sie was ich gefunden hab“, mit diesem Worten legt die Dame mit ihren zierlichen Händen die Zeitung „BIG Journal“ des Jahres 1979 auf die nussbraune Theke des kleinen Kräuterlädchens. Eigentlich wollte sie auf einen Bericht über das Ableben des einstigen Kräuterpfarrers Rauscher aufmerksam machen, doch auf Seite 8 öffnete sich erstaunliches, tat sich eine beachtenswerte Welt auf – die Welt um Gastroca!

Diese Welt begann am 12. September 1906. Hier wurde im Böhmerwald ein gottbegnadeter Junge namens Johann Bayerl geboren. Im Alter von 1,5 Jahren stützte dieser Junge so schwer, dass sich sein Hüftgelenkt deformierte, ja sogar steif blieb. Ohne Stock war für das, im ersten Anschein schicksalgebeutelte Kleinkind keine Fortbewegung möglich – dieses Geschehnis sollte sein Lehrmeister, der Richtungsweiser seines Lebensweges werden. Es musste im ersten Ansatz, der Berufswahl ein sitzender Beruf sein, der sein Auskommen sichern würde. So erlernte er aus rationellen Beweggründen erst einmal das Handwerk des Schneidermeisters. In einem Interview mit dem Journalisten Herrn Edgar M. Wenzel meinte Bayerl einmal (veröffentlicht in dem Buch „So heilt Johann Bayerl“  von Edgar M. Wenzel,  Annelies Huter-Verlag 1979, ISBN 3873670003) : „Mein Schneidergeschäft ging sehr schlecht…mein dünnes Supperl wurde immer dünner. Und weil der Mensch von etwas leben muss, habe ich eine Stellung als Drogisten angenommen.“ Im Jahre 1936 lernte Bayerl bei einem Drogisten im Krumau die Kunst der Kräuterkunde. Emsig studierte er alte Bücher, lernte Zusammenhänge und Wirkstoffe der Pflanzen kennen, um sich selber heilen, sich selbst helfen zu können. So probierte er verschiedene Mischungen, experimentierte mit Salben und verzeichnete schnell an sich selbst sehr gute Erfolge. Dieses Erforschen, dieses Entdecken, diese Erfolgserlebnisse entfachten das Feuer der Pflanzenleidenschaft in Johann Bayerl. Die Menschen in seiner Umgebung erkannten seine göttliche Fähigkeit und kamen in der Hoffnung um Hilfe zu ihm. Diese Eigendynamik, diese Energie, welche sich entfaltet wenn jemand seine wahre Bestimmung gefunden hat, trägt Johann Bayerl nach München, wo er seine erste Heilpraktikerprüfung absolvierte. Selbst Pharmazeutische Firmen wurden auf die Erfolge des Mannes aus dem Böhmerwald aufmerksam. Sie wollten seine Rezepturen erwerben!
Sein einstiger Sturz rettete ihn, im nunmehrigen Erwachsenenalter vor dem Kriegseinsatz, die Einstufung als „Untauglich“ ermöglichte Bayerl in Znaim bei einem Lungenfacharzt namens Dr. Wiehan zu lernen. Gemeinsam nahmen sie sich in der wirren Kriegsjahren der Kranken Menschen an.  Bayerl sucht immer weiter nach neuen Herausforderungen, erlebte tagtäglich was mit dem richtigen Einsatz von Pflanzen erreicht werden kann. Betroffen erzählte er Herrn Wenzel folgendes weiter: „Weil ich gesehen habe, dass die Schulmedizin in Sachen Krebs  nicht weiterkommt, habe ich mir vorgenommen, alles daran zu setzen, diesem Übel die Stirn zu bieten!“ Sobald wir unserem Leben eine Richtung geben, kommen auch die entsprechenden Aufgaben auf uns zu. Kaum hatte Bayerl dies für sich beschlossen suchte ihn ein Oberösterreichischer Bauer, der an  Magenkrebs erkrankt, und von der Schulmedizin aufgegeben war auf. Und wirklich, der Bauer konnte gänzlich geheilt werden! Schnell machte die Kunde hiervon die Runde und es strömten immer mehr Menschen in der Hoffnung um Heilung zu Bayerl. Im Jahre 1945 wurde in Österreich der Beruf des Heilpraktikers verboten, doch Bayerl lässt sich nicht unterkriegen und hilft den Leuten erfolgreich gegen die schwersten Krankheiten, gegen die verschiedensten Krebsarten, selbst Ärzte gehörten mittlerweile zu den Hilfesuchenden. Regelmäßig muss er sich dafür vor Gericht verantworten. Unzählige Gefängnisaufenthalte sind der öffentliche Danke für seine selbstlosen Heilerfolge.  Geringschätzige Bemerkungen wie „dieser Mann hat ja nicht studiert. Also was soll er von Medizin verstehen können“ werden ihm in Gerichtsälen  entgegen geschleudert, obgleich selbst Ärzte von der Schulmedizin aufgegebene Patienten an Johann Bayerl schriftlich weiterüberweisen! Einst meinte der wortgewandte Bayerl zu einem Richter, dass es ihn schon sehr verwundere, er hätte nun bereits so viele Verurteilungen erhalten, doch jede davon prangerte lediglich die Ausübung einer nichterlaubten Heilpraxis an und niemals, in keinem einzigen Falle ging es darin um einen Misserfolg, um eine missglückte Anwendung!
Er ließ sich nicht unterkriegen, und blieb seiner Bestimmung treu! Jahrzehnte der Forschung, der Beobachtung und der Dokumentation ließen den stämmigen, einfühlsamen Mann seine eigene These zum Thema Krebs erfahren. Alle Krebsarten finden ihrem Ursprung im Magen/Darm, dort sind Bakterien die Gifte produzieren, die wiederum in das Blut kommen. Die Leber könnte diese Gifte nur beschränkt abbauen, so gelangen diese in den Blutkreislauf und weiterfolgend gelangen diese in den Körper. Treffen diese Gifte auf kaputte Körperzellen, dringen sie bis zu deren Zellkern vor, so beginnt der Lauf des Krebses. Ergänzend zu seiner Beobachtungsgabe erlernt Bayerl schließlich die Augendiagnose, er möchte krebsartige Veränderungen möglichst früh erkennen, den Menschen Schmerzen und Leid ersparen.
Immer tiefer in die Grundpfeiler der Lebensumstände und ihren Zusammenhängen eintauchend, zieht er mit der Industrie sehr hart ins Urteil. Er nennt die Chemie „unwissenschaftlich“, weil sie mit dem Kunstdünger die Erde und alles was auf ihr ist vergiftet. Gesunde Samen ergeben gesunde Pflanzen  folglich gedeihen gesunde Tiere sowie gesunde Menschen. Den Krebs hätte es in Zeiten der biologischen, natürlichen Landwirtschaft nicht so häufig gegeben. Seine direkte, offene Wesensart, sein unbändiger, ja staatlich gesehen sturer unbeugsamer Wille Menschen helfen zu wollen enden in der Abschiebung seiner Person nach Deutschland. Nur durch den treuen Einsatz seine österreichische Frau, schafft Bayerl wieder die Rückkehr nach Österreich, allerdings nicht mehr in sein geliebtes Linz, sondern nach Salzburg. Beim nächsten Heilerfolg, der ihn beim Gericht landen lies, entgegnet er dem Richter, dass er es nicht verstehe, dass es ja sogar grausam sei, wenn in dem Falle, wo ein Arzt einem todgeweihtem Kranken nicht mehr helfen kann, es diesem Menschen verboten sei, die Hilfe eines Heilpraktikers in Anspruch zu nehmen. Begleitend zu den Heilanwendungen erforscht er die günstigen und weniger günstigen Lebensmittel bei Krebspatienten. Keine gärenden Lebensmittel, kein Kaffee, keine Süßigkeiten sind unter anderem die wichtigsten Eckpfeiler seiner empfohlenen Diät. Zur Genesung sei eine „saure und bittere“ Ernährung empfehlenswert. Die Kleidung sollte weit sein, locker sitzen, den Körper nicht einengen. Er rät den Frauen von Büstenhaltern ab, da diese durch das einengen die Blut-, Lymph- und Nervenkreislauf blockieren. Statt engen Hosen die auf den Darm drücken, empfiehlt er lieber Hosenträger zu tragen. Er entwickelt zu den verschiedensten Krebstypen eigene Teekuren.

Magen/Darm/Bauchspeicheldrüsenkrebs:
1.    Tag. Früh Kamille, Mittags Brennessel, Abends Enzianwurzel
2.    Tag. Früh Guldrute, Mittags Schafgarbe, Abends Hagebutte
3.    Tag. Früh Angelikawurzel, Mittags Taubnessel, Abends Kamlmus
4.    Tag. Früh Odermenging, Mittags Tausenguldenkraut, Abends Zinnkraut
5.    Tag. Früh Wermut, Mittags Birkenblätter, Abends Bärentraubenblätter
6.    Tag. Früh Kamille, Mittags Brennnessel, Abends Enzianwurzel
7.    Tag. Früh Goldrute, Mittags Schafgarbe, Abends Hagebutte

Darüber hinaus solle ein Umschlag über die Tumorstelle aus Leinsamenbrei bereitet werden. Dieser solle Fingerdick aufgetragen, eine Folie darüber gewickelt und darauf ein Heizkissen gelegt werden.
Ergänzend  empfiehlt der folgende Tinkturen zur innerlichen Einnahme:
bei Lunge/Kehlkopf:
Equisetum (Zinnkraut):7 Uhr, 9 Uhr, 11 Uhr, 13 Uhr, 15 Uhr, 17 Uhr, 19Uhr und 21 Uhr je 15 bis 20 Tropfen
Verbaskum (Königskerze) 8Uhr, 10 Uhr, 12 Uhr, 14 Uhr, 16 Uhr, 18 Uhr 15 bis 20 Tropfen
bei Knochen:
Gastroca 6.30 Uhr, 9.30 Uhr, 12.30 Uhr, 15.30 Uhr, 18:30 Uhr, 21:30 Uhr 15 – 20 Tropfen
bei Magen/Darm/Bauchspeicheldrüse:
Equisetum (Zinnkraut):7 Uhr, 9 Uhr, 11 Uhr, 13 Uhr, 15 Uhr, 17 Uhr, 19Uhr und 21 Uhr je 15 bis 20 Tropfen
Gastroca 6.30 Uhr, 9.30 Uhr, 12.30 Uhr, 15.30 Uhr, 18:30 Uhr, 21:30 Uhr 15 – 20 Tbopfen
Bei Leber:
Taraxum (Löwenzahn) 8Uhr, 10 Uhr, 12 Uhr, 14 Uhr, 16 Uhr, 18 Uhr und 20 Uhr 15 bis 20 Tropfen
bei Drüsen:
Gastroca 6.30 Uhr, 9.30 Uhr, 12.30 Uhr, 15.30 Uhr, 18:30 Uhr, 21:30 Uhr 15 – 20 Tropfen
Equisetum (Zinnkraut):7 Uhr, 9 Uhr, 11 Uhr, 13 Uhr, 15 Uhr, 17 Uhr, 19Uhr und 21 Uhr je 15 bis 20 Tropfen
Calentula (Ringelblume) 8 Uhr, 10 Uhr, 12 Uhr, 14 Uhr, 16 Uhr, 18 Uhr, 20 Uhr, 22 Uhr 15 bis 20 Tropfen

Genau diese Tinktur-Pflanzen befanden sich auf dem zerknitterten, handschriftlichen Zettel! Johann Bayerl begründete seine Heilerfolge mit einer Kombination aus Einzelpflanzentinktur und einer Magen/Darmmischung. Welcher Name würde besser zu einer Magen/Darm Mischung passen, als die wortmalerische Bezeichnung „Gastroca“? Die Pharmafirma Evers aus Pinneberg  überzeugt Bayerl schließlich seine einzigartige Kräutermischung möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. Unter dem Eigennamen „Monamizone“ zieht die Mixtur in den Pharma-Handel ein.
Doch kann ein, von Hand geerntetes, mit Liebe und guten Wünschen vermischtes Kräuterrezept wirklich die gleiche Wirkung, die gleiche Anziehungskraft haben, wie eine Kräutermischung, welche die kalte Industriefertigung über sich ergehen lassen musste. Die keinerlei Berührung durch Hände erfahren habe? Können Pflanzen, die auf einem vorbestimmten Boden zum Wachsen gedrängt wurden die gleiche Wirkung, die gleiche Widerstandskraft, die gleiche Energie in sich tragen, wie jene, die sich den Boden, auf dem sie wachsen selbst ausgesucht haben? Sind für einen schwerkranken Menschen  nicht gerade die liebevollen Worte ebenso wichtig für den Heilerfolg, wie die Kräuterrezeptur selbst? Erinnert sich dieser Mensch nicht mit jedem Male, wenn er das Kräuterpulver zu sich nimmt an die motivierenden Worte? Wir wissen aus den alten Überlieferungen, dass Kräuterkundige beim Übergeben von Kräuterrezepturen an andere Personen, die darin enthaltenen Pflanzen um Hilfe für ebendiese Person gebeten haben – so beschlossen alle in Gastroca beinhalteten Pflanzen gemeinsam, ihren eigenen Weg zu den Menschen lieber durch die persönliche Weitergabe von Kräuterkundigen zu finden. Johann Bayerl gab sein Wissen im fortgeschrittenen Alter an seinen Neffen Adolf Bayerl weiter. Bei ebendiesem Adolf Bayerl lernt später ein Arzt aus Oberösterreich die Heilpflanzenkunde. In dem charismatischen Oberösterreicher, Dr. Christian Neuburger leben die Rezepturen des Johann Bayerl weiter. „Saubermacher“ nennt er nun die leicht abgeänderte, auf unsere Zeit angepasste Rezeptur, welche auf seiner Homepage mit einer liebevollen Beschreibung zu finden ist (www.dr-neuburger.at).

So findet Gastroca seinen ganz besonderen Weg! Erzählt Lebensgeschichten, verwebt Schicksale, öffnet seine eigene Welt! Seit jeher haben wir Menschen einen tiefen Zugang, eine tiefe „Kommunikation“ ein „Gespür für die Natur“. Diese geballte Mischung, der bereits von unseren Voreltern erfolgreich verwendeten Pflanzen offenbarte sich einst im selbstlosen Menschen Johann Bayerl, war ihm in die Wiege gelegt, möchte ihren eigenen Weg finden, nicht durch Konzerne, nicht in Regalen, sondern durch einfache, fühlige, selbstlose Menschen, durch Personen die mit der Natur und ihren Gesetzen noch verbunden sind, mit ebendiesen Pflanzen leben, um ihre „Botschaft“ weiterzutragen…..die  Botschaft von Cortex Scrophulariae, Semen lini, Radix Angelicae, Flores Chamomillae, Herba Millefolii, Herba Absymthii, Radix Gentianae, Cortex Cinnamoni, Herba Artemisiae, Herba Alchemilae, Herba Centauri und Flores Arnicae, kurz genannt Gastroca half damals der Großmutter jenes Mannes, mit dem dunkelbraunen Mantel, dem schütteren Haar und der tiefen Stimme im Waldviertel. Nun leidet dieser Mann an Magen/Darmdisharmonien, findet auf der Suche nach Hilfe in einem alten Buch seiner Großmutter jenen kleinen zerknitterten Zettel, erinnert sich an ihre Geschichte, darf diese alte Rezeptur wiederentdecken, darf nun sein eigenes Kapitel zur Geschichte von und um Gastroca hinzufügen…..

Herr Wenzel verfasste im Jahre 1979 ein lesenswertes Buch über die Heilerfolge von Johann Bayerl mit Rezepturen und Berichten „So heilt Johann Bayerl“  im  Annelies Huter-Verlag erschienen, ISBN 3873670003.

Experten Tipp, Eunike Grahofer, “Mein Waidhofen”, März 2015

Die Pflanzen entlang der Waidhofner Heimatsleit`n

Von Kräuterpädagogin & Buchautorin Eunike Grahofer und der Gesunden Gemeinde Waidhofen

Wenn wir im Waldviertel mit etwas besonders gesegnet sind, dann ist das unser Artenreichtum der Pflanzenwelt, dann sind das  naturbelassene Landschaften, wo wir uns der Pflanzenvielfalt  noch bedienen können!  Die „Gesunde Gemeinde Waidhofen“, unter der Leitung von STR Alfred Sturm möchte auf die heimische Pflanzenvielfalt  und ihre verschiedensten Verwendungsmöglichkeiten aufmerksam machen. Nach dem großen Erfolg der Kräuterwanderungen im Jahr 2014, werden diese auch im Sommer 2015 fortgeführt und um eine herbstliche Wildobstwanderung  erweitert. Start ist vom Volksfestgelände, die Route  führt entlang  der  wildromantischen Thaya. Hier finden wir sowohl  Trockenvegetation als auch an Feuchtpflanzen – ein wahrer Naturschatz! Begleitend  zu den Kräuterwanderungen stellen wir  Ihnen in jeder Ausgabe von „Mein Waidhofen“ eine Pflanze vor, die entlang der Wanderroute der „Heimatsleit`n“ wächst.

Die Gundelrebe –  unsere Entgiftungskönigin (Glechoma hederacea)
Die Gundelrebe oder auch Gundermann genannt ist eine Bodendeckerpflanze und gehört zur Familie der Lippenblütler.  Wir finden Sie in der „Heimatsleit`n“ entlang des Wegrandes, mit ihren herzförmigen Blättern  und den kriechenden Ausläufern schlängelt sie sich gekonnt zwischen den Grashalmen hindurch.  Am leichtesten finden wir sie, wenn sie auch am wirksamsten ist, nämlich im Frühling. Hier erkennen wir sie an den auffallenden violetten Blüten, die scheinbar aus dem nichts zwischen dem Gras herausleuchten.  Eine besondere Art ihrer Gattung finden wir in den Arrangements unserer „Blumenkistl“.  Diese befüllen wir zumeist mit verschiedensten Geraniensorten und als schönes hängendes „Grün“ geben wir Elfengold hinzu. Und genau dieses Elfengold ist eigentlich auch eine Art der Gundelrebe, eine moderne Zuchtform der Gundelrebe.
Die Gundelrebe hat im Waldviertel eine sehr alte Tradition als Gewürzpflanze, die sowohl kalten als auch warmen Speisen beigegeben wurde. Ihr Geschmack ist sehr intensiv, daher dosieren  wir sie beim Kochen vorsichtig. Wir können sie in Aufstriche geben, als Tee kochen, in Suppen zugeben oder beim Würzen von Fleisch u. Fisch verwenden. Für unseren Körper ist sie wahrhaft eine Königin der Entgiftung! Sie wirkt schleimlösend, harnsäurelösend, Leber- und Gallenreinigend, sie wurde seit je her zur Rekonvaleszenz nach langen Krankheiten eingesetzt.  Gundelrebe  kann das ganze Jahr über geerntet werden, so findet  sie erfolgreiche Anwendung gegen winterliche Erkältungskrankheiten.
Anwendungstipp:
Reinigungsdrink mit Gundelrebe:
1ne Hand voll Gundelrebenblätter, einen Teelöffel Zitronensaft oder 2 Tropfen ätherisches Bio-Zitronenöl, 1 Liter Wasser
Die Pflanzen mit dem Zitronensaft in ein Gefäß geben, mit dem Wasser aufgießen und über Nacht stehen lassen. Am nächsten Tag kann das köstliche Gundelrebenwasser gerunken werden. Die Pflanze kann noch ein zweites Mal mit Wasser aufgegossen und stehengelassen werden.

Kolumne Weißdorn

Experten Tipp, Eunike Grahofer, “Die Waldviertlerin” Ausgabe 1. März 2015

Entgiftend, Haarwuchsfördernd, altes Mittel gegen Impotenz

Birke – Betula pendula

Die Birke galt seit jeher als Symbol für den Frühling. Der „Saft“, der beim Abzapfen aus der Birke gewonnen wird galt in der Volkskunde als Schönheitstrunk und Mittel gegen Impotenz. Die Knospen welche wir bei unseren Spaziergängen direkt vom Baum naschen können, noch ehe sich die Blätter öffnen, haben sanft entgiftende Wirkstoffe. Die jungen, noch etwas klebrigen Blätter der Birke als Tee getrunken sind „der Frühjahrsputz“ für unseren Körper! Sie enthalten unter anderem Gerbstoffe, welche Entgiftend wirken, sowie Vitamin C. Für den Tee übergießen wir einen Esslöffel Birkenblätter mit einem Liter heißem Wasser und lassen dies 8 – 10 Minuten ziehen lassen. Der Tee wird im Frühjahr als Entgiftungskur über 3 Wochen getrunken. Leidet jemand unter Nierenproblemen, dann ist mit Birkenblättertee jedoch Vorsicht geboten. Die Kräuterfrau Gerlinde erzählt in dem Kräuterbuch „Der Pepi Onkel“ von einem Mittel, das bei Haarwuchsproblemen unterstützt. Sie meint „Solange noch ein Flaum am Kopf ist, kann geholfen werden…“ Hierzu nimmt man eine Hand voll junger Brennnesselwurzeln und frische, junge Birkenblätter, gibt diese in ein verschließbares Glas und übergießt mit 45%igem Alkohol. Der Ansatz soll hell jedoch ohne direkte Sonneneinstrahlung für 4 bis 6 Wochen ziehen. Zu guter Letzt den Ansatz mit ätherischem Öl Pfefferminze verfeinern. Auf 100ml Ansatz gibt man 25 Tropfen des Pfefferminzöls hinzu, und fertig ist das Haarwuchstonikum. Damit die betroffenen Stellen 2 bis 3 Mal täglich einmassieren.

Weitere Experten-Tipps finden Sie auf der Webseite von Einfach Essbar.